MR 76: Hexenwahn in Papua-Neuguinea

Szenen von Frauen oder Männern, die von einer wütenden Meute festgenommen, gefoltert oder gar hingerichtet werden, weil man von ihnen behauptet, sie wären Hexen oder Hexer, verbinden viele mit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Expertinnen und Experten weisen jedoch eindringlich darauf hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehr Menschen weltweit Opfer solcher Verbrechen geworden sind als zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert in Europa. Und tatsächlich gehört der Hexenwahn nicht der Vergangenheit an, sondern ist in vielen Ländern und Regionen der Welt, etwa in Lateinamerika, in Südostasien und insbesondere in Afrika ein aktuelles Phänomen.

Oft sind es Schicksalsschläge wie Krankheit oder Tod, die Auslöser der Gewalt sind. Negative Ereignisse werden dem Wirken von Hexen zugeschrieben, und so machen sich Menschen mithilfe verschiedener Rituale auf die Suche. Werden vermeintliche Hexen ausfindig gemacht, werden sie auf grausame Weise gefoltert oder getötet. Selbst enge Familienangehörige sind meist machtlos und können oder wollen nicht eingreifen. Die vorliegende Studie lenkt den Blick auf Papua-Neuguinea. In dem nördlich von  Australien im Pazifik gelegenen Land, welches landschaftlich vielfältig und faszinierend ist, leben etwa tausend Volksgruppen mit je eigener Sprache und Kultur. Gleichzeitig gibt es viele gesellschaftliche Probleme, darunter Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und weit verbreitete Gewalt gegen Frauen und Kinder. Auch ein gefährlicher Hexenwahn greift immer stärker um sich; zahlreiche Männer und Frauen wurden bereits auf brutale Weise gefoltert oder getötet.

In der hier vorliegenden Fallstudie steht Christina im Mittelpunkt, eine mutige Frau, die als vermeintliche Hexe angeklagt und gefoltert wurde. Christina hat überlebt, die  Täter sind immer noch auf freiem Fuß. Der Fall von Christina steht stellvertretend für zahlreiche Frauen und Männer weltweit, die Opfer des gefährlichen Hexenwahns  werden.

Die vorliegende Fallstudie will dabei helfen, das Phänomen besser zu verstehen, indem sie das Verhalten der verschiedenen beteiligten Akteure analysiert und Perspektiven aufzeigt, wie Veränderungen zum Schutz von unschuldigen Frauen, Männern und Kindern erreicht werden können. Die Dokumentation des Gewaltverbrechens hilft auch dabei, Christinas Fall bei den Vereinten Nationen vorzutragen, die im Frühjahr 2021 im Rahmen ihrer regelmäßigen Staatenprüfungen einen besonderen Fokus  auf die Menschenrechtslage in Papua-Neuguinea legen werden. Es ist unerlässlich, dass sich in Papua-Neuguinea und in allen betroffenen Staaten neben  Hilfsorganisationen auch staatliche Stellen für eine Beendigung des Hexenwahns und für eine entsprechende breit angelegte Bewusstseinsarbeit einsetzen. Auch Polizei  und Strafverfolgungsbehörden müssen vor Ort konsequent gegen diese Gewaltverbrechen vorgehen.

Bibliografische Angaben
Gibbs, Philip, Hexenwahn in Papua-Neuguinea: Fallstudie Christina,in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 76), Aachen 2020.
Aus dem Englischen übersetzt von Meike Neebuhr
Redaktion: Katja Nikles

Artikel-Nr. 0600352
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